Freitagmorgen, 9 Uhr

Geschrieben von Ute Fabricius am 4. Dezember 2009 | Abgelegt unter Büroalltag, Schokozeit

So stellt man sich doch einen schönen Arbeitstag vor: frohen Schrittes gehe ich heute morgen kurz vor neun, an einem etwas trüben, aber trockenen, frostig kalten Morgen über das Gelände der Rathenauhallen Richtung Schokozeit. Uschi, unsere Perle, so weiß ich, ist schon seit acht Uhr im Packraum, denn es müssen dringend Pralinen verpackt und versandt werden. Ein arbeitsreicher Tag steht uns ins Haus. Es ist Saison, es ist wahnsinnig viel zu tun. Aber ich bin ausgeschlafen und guter Dinge. Gemeinsam mit den Kollegen werden wir das Pensum schon bewältigen.

An der letzten Abbiegung kommt mir Herr Lemke entgegen. Er ist der Hausmeister, ohne den hier in den riesigen Rathenauhallen nichts funktionieren würde. Ich grüße, er nickt zurück, denn er telefoniert gerade mit jemandem übers Handy. (Was haben Hausmeister früher eigentlich ohne Handy gemacht??) Im Vorübergehen höre ich ihn sagen: “Bei Vattenfall ist ein Kabel durchgerissen.” Ich denke mir nichts weiter dabei.

Im Büro angekommen, geht die kleine, fiese Klingel los, die wir an der Tür befestigt haben – damit wir hören, wenn Kundschaft unsere heiligen Hallen betritt. Hm, Uschi hat das Licht im Flur ja gar nicht angemacht. Egal, sie wird ja hinten schon beim Packen sein. Mache ich das Licht halt an. Oh – kaputt? Ich gehe weiter und drücke auf den Lichtschalter im hinteren Flur. Nichts passiert.

Schlagartig erkenne ich die wahre Bedeutung dessen, was ich unterwegs von Herrn Lemke aufgeschnappt habe: Stromausfall!! Sch***!!!!

Durch den dunklen Flur taste ich mich nach hinten zum Packraum durch. Unterwegs stoße ich gegen eine kleine Trittleiter, die etwas in den Weg hineinragt. Der Packraum ist reichlich schummerig, weil die Fenster mit einer blickdichten Folie beklebt sind – Schutz vor Sonne. Da kommt recht wenig vom trüben Morgenlicht hindurch, aber Uschi hat trotzdem schon angefangen zu arbeiten. Ein bißchen was kann man ja doch erkennen. Um halb neun sei das passiert. Plötzlich war das Licht weg und das Radio aus. In zwei bis drei Stunden solle das Problem behoben sein, hat sie schon von Herrn Lemke erfahren.

Die anderen beiden Kollegen treffen ein. Unsere eigentliche Arbeit können wir nicht machen: Telefon geht nicht, da die Basistation keinen Strom hat. Fax geht nicht. Computer können wir ganz vergessen. Die Server sind heruntergefahren – auch Peer in Tübingen wird erst mal nicht übers Netbook auf die Schokozeit-Dateien zugreifen können. Ich rufe an und teile ihm so schonend wie möglich (“Wir haben Stromausfall. Nix geht.”) die gute Nachricht mit. Zum Glück ist Winter, denn im Sommer hätten wir ohne Klimaanlage in der Kühlzelle ein kleines Problem.

Apropos Kühlzelle. Wir müssen die Pralinen, die wir heute versenden müssen, da noch rausholen. Die Kühlzelle hat keine Fenster. Zum Glück haben wir diese riesigen Kerzen im Laden stehen (Weihnachtsdeko). Olli zündet eine an, und gemeinsam wandern wir zur Kühlzelle, laden die großen Pralinenkartons im Kerzenschein vom Regal aufs Handwägelchen und marschieren zurück zum Packraum.

Die Kerze stellen wir dann auf die kleine Trittleiter im Flur: Sturzgefahr gebannt.

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Und dann stehen wir alle im Packraum: Uschi, Olli, Jenny und ich, und packen im Akkord. Die Köpfe so tief wie möglich über die Kästen gebeugt, packen wir zunächst eine Muster-Kiste. “Kann die da hin? Ist das eine helle Praline?” – “Nee, die ist dunkel.”

Trotz Handicap sind wir guter Dinge und nehmen die Sache mit Humor. “Macht doch mal Licht an!” “Ich habe jetzt so ‘nen blöden Ohrwurm: ‘Mache dich auf und werde Licht’… Das nervt!” ”Feiern wir das nicht an Weihnachten? Das Licht, das die Dunkelheit erleuchtet?”

Gegen halb zwölf geht plötzlich das Licht wieder an: Hurra! Und noch mal “Hurra!”, denn fast alle Kisten sind gepackt. :-)

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