Schokolade nach Wunsch
Geschrieben von Ute Fabricius am 16. Oktober 2009 | Abgelegt unter Unterwegs
Gestern abend hatten wir einen Termin, auf den wir uns schon lange gefreut hatten. Eine Premiere. Birgit Lösing von der Event-Agentur Contigo hat vor ein paar Monaten zu uns gefunden und hilft uns seitdem bei der Organisation von diversen Veranstaltungen. Zum Beispiel Schokoladenverkostungen an ganz besonders schönen Orten in Berlin. Die erste dieser Art fand nun gestern im Myer’s Hotel in Prenzl’berg statt. Das ist ein wirklich schickes kleines Boutique-Hotel, das in einem neoklassizistischen Gebäude aus dem 19. Jahrhundert eingerichtet wurde, wie mir die Webseite verriet. Für die Verkostung hatte man uns die Galerie zur Verfügung gestellt; einen mittelgroßen Raum, der ursprünglich mal ein ganz profaner Hinterhof gewesen ist. Ein Glasdach hat sie wind- und wetterfest gemacht, dann wurde sie noch schön hergerichtet und gemütlich möbliert – der perfekte Ort für eine große Schokoladenverkostung in kleiner Runde.

Normalerweise stellt Peer seine Verkostungen immer unter ein Motto, z.B. “Eine Reise um den Äquator”. Da werden der Reihe nach Schokoladen verschiedener Hersteller aus einem Anbaugebiet miteinander verglichen. Gestern machte er das mal ganz anders. Er hatte eine große Auswahl von Tafelschokoladen mitgebracht, die wir dekorativ über den ganzen Tisch verteilt hatten. Während der Verkostung durfte sich dann jeder Teilnehmer je eine Tafel aussuchen, und diese haben wir dann der Reihe nach gemeinsam verkostet.
Angefangen haben wir mit Peers erklärter Lieblingsschokolade: Mangaro von Michel Cluizel (65%iger Criollo aus Madagaskar). Damit war die Latte von Anfang an sehr hoch gehängt, denn diese Schokolade ist schon wirklich sehr, sehr, sehr gut. Anhand dieser Schokolade erklärte Peer wieder, wie und woran man gute Schokolade erkennt.

Zu Beginn hatte jeder Teilnehmer eine kleine Mappe mit Informationen über Schokolade (und natürlich auch über die Schokozeit und Contigo) erhalten – und einen Beurteilungsbogen, auf dem jeder seine Bewertung der verkosteten Schokoladen aufschreiben sollte. Bewertet wurden Geruch, Geschmack und Mundgefühl. Da muß man sich schon konzentrieren, wenn man herausschmecken will, nach welchen “gelben Früchten” die Mangaro schmeckt. Oder welche Aromen in der “Raw Chocolate” von Pacari (70%iger Nacional Arriba) besonders hervortreten. Letzteres war schon etwas schwierig, denn bei dieser Sorte wurden die Kakaobohnen nicht geröstet – und beim Rösten werden bereits Aromastoffe freigesetzt (wie beim Kaffee). Zwischendurch erzählte Peer noch viel Wissenswertes über Kakao und Schokolade. Wie wird Schokolade verarbeitet? Welche Zutaten sind in guter Schokolade enthalten? Was bedeutet “conchieren” und wozu ist das gut?

Insgesamt 14 Schokoladen haben wir innerhalb von knapp 4 Stunden verkostet, und als nach dem ersten Durchgang wieder jeder nach einer Tafel seiner Wahl griff, machte sich eine erste Tendenz bemerkbar. Und zwar: Qualität setzt sich durch.
Eine Tafel war im ersten Durchgang eindeutig durchgefallen, und keiner hatte mehr Lust, die beiden anderen Sorten des Herstellers zu probieren. Aber nachdem die erste Pamaco-Tafel im ersten Durchgang bei allen sehr gut angekommen war, waren auch die drei anderen Pamaco-Tafeln, die Peer mitgebracht hatte, in der zweiten Runde dabei. Vor allem auf die Indojaco waren alle sehr gespannt. Schokolade, die nach Tabak schmeckt?! Bei ihr bestätigte sich, was schon bei der kleinen Verkostung auf der Messe deutlich geworden war: die Indojaco polarisiert. Man mag sie entweder, oder man mag sie nicht. Ein Teilnehmer war sofort hellauf begeistert, zwei weitere fanden sie auch richtig gut, und andere sagten: nein. Nicht meine Schokolade. Birgit ging es so und mir auch.

Ganz zum Schluß haben wir eine weitere Cluizel-Schokolade probiert, die Maralumi aus 64%igem Trinitario aus Papua-Neuguinea. Die hat ein Aroma von roten Früchten und paßt daher gut zu Pergers Edelkirschsaft, der dann gleich mit verkostet wurde. Und zum Schluß gab es dann noch eine ganz besondere Aufgabe: jeder bekam ein Glas mit Pergers Edelblütensaft, probierte – und sollte jeder für sich eine der bereits verkosteten Schokoladen auswählen, die zu diesem Saft passen könnte.
Fazit: ein gelungener Abend, an dem alle viel über Schokolade gelernt haben und nebenbei noch richtig Spaß hatten. Besondes viel Freude hatte es einer Teilnehmerin gemacht, die zugab, mit anderen Erwartungen zu der Verkostung gegangen zu sein. Sie hatte sich auf Schokoladen mit Chili und anderen exotischen Zutaten gefreut – und war nun ganz begeistert davon, wie sehr sich die Geschmäcker reiner Tafelschokolade voneinander unterscheiden. Es war wirklich (fast) alles dabei gewesen: gelbe Früchte, rote Beeren, Erde, Tabak, Minze, Zimt, Karamell. Und natürlich das wichtigste: Kakao.
Wer jetzt Lust bekommen hat: die nächste Schokoladenverkostung wollen wir am kommenden Freitag auf Schloß Diedersdorf durchführen. Es sind nur noch wenige Tage bis zum Anmeldeschluß!
5 Kommentare »
am 17. Oktober 2009 um 11:56 1.Shermin schrieb …
Danke für die schöne Erläuterung zum Ablauf so einer Verkostung. Mir war der Termin letztens schon bei Xing ins Auge gefallen – aber so gibt es natürlich gleich einen besseren Einblick.
Liebe Grüße
am 19. Oktober 2009 um 14:22 2.Ute Fabricius schrieb …
Danke für das Lob. Genau das war Sinn und Zweck des Eintrags.
am 4. März 2010 um 12:35 3.Janine schrieb …
Klingt toll. Ich hoffe ich komme auch einmal dazu, so eine Verkostung mitzumachen. Wäre sicher sehr interessant und lecker doch dafür muss man erst einmal Zeit finden
am 5. März 2010 um 14:13 4.Ute Fabricius schrieb …
Aktuell haben wir keine Verkostungen geplant. Wenn wir wieder eine durchführen, geben wir den Termin rechtzeitig hier bekannt. Vielleicht paßt er ja.
Die Alternative: wenn mindestens 10 Leute zusammenkommen, machen wir auch gerne einen eigenen Termin für eine geschlossene Gesellschaft. Anfragen dazu bitte an unsere E-Mail-Adresse info@schokozeit.de
am 13. April 2010 um 15:47 5.Hamburger schrieb …
Man lernt immer wieder was dazu!